Warum ich meinen Roman komplett von vorne schreiben muss

Hemingway soll mal gesagt haben „The only kind of writing is rewriting“, aber wenn das Problem viel tiefer liegt, dann muss man wieder bei Null anfangen.

Ich habe über ein Jahr gebraucht, um die Rohfassung für das Projekt zu schreiben. Nur, um festzustellen, dass ich eine ganz andere Geschichte erzählen möchte.

Warum ist das so gekommen?

Was sich für den einen oder anderen vielleicht wie der Horror klingt, ist in Wirklichkeit gar nicht so schlimm. Denn ich habe mich bewusst für diese Form des Schreibens entschieden. Ohne viel plotten und vorkonzepieren einfach hingesetzt und eine Geschichte, Handlungsstränge und ein Figurengeflecht entworfen. Nachteil ist hierbei natürlich, dass viel Zeit und Energie „verloren“ geht.  Auf der anderen Seite hat sich für mich endlich herauskristallisiert, was ich eigentlich erzählen möchte und vor allem warum. Und es ist ein ganz anderer Grund, als zu beginn der Story dachte. Ich konnte das erst erkennen, als ich meine Figuren in diese Welt geschmissen hab und sie dann doch anders gehandelt haben, als ich es mir gewünscht hab.

Die Figuren haben ein Eigenleben entwickelt und mir gezeigt, auf was es ankommt und wie ich es machen muss. Die Geschichte, wie man so schön sagt, hat mich gefunden.

Warum man das nicht immer so machen kann

Ich konnte nur aus einem Grund so an den Roman herangehen: Ich habe bei diesem Projekt vollkommen freie Hand. Der Verlag überlässt mir die Wahl des Themas und sogar das Timing. Nur so konnte ich ein Jahr zum „erkunden“ und „rumspielen“ verbrauchen. Bei einem bezahlten (Drehbuch-) Auftrag würde diese Methodik zum sicheren finanziellen Ruin führen, weil oft ein enges Timing herrscht und viele weitere Positionen (Produzent, Regisseur etc.) auf das fertige Buch warten. Bei solchen Projekten sollte man sich schon im Klaren sein, was und warum man etwas erzählen möchte, bevor man anfängt zu arbeiten.

20% sind brauchbar

80% sind Müll. Dafür kann ich aber die Figuren, das Setting und einige Szenen übernehmen, weil sie nicht schlecht geworden sind. Mit ein bisschen Überarbeitung könnte daraus etwas von Qualität werden. Vorausgesetzt ich verkacke nicht die restlichen 80%.

Fazit

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich nochmal ein Romanprojekt so angehen werde. Zu viel Zeit und zu viel Energie gehen drauf und im Endeffekt ist mir das zu kostspielig. Man muss bei einem Roman eh eine große Ausdauerkraft beweisen, da muss man die ganze Sache auch nicht noch zusätzlich verkomplizieren.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder geht ihr ganz strukturiert an die Arbeit, um sowas eben zu vermeiden?

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Warum ich meinen Roman komplett von vorne schreiben muss

  1. Um ehrlich zu sein sind meine Romane bis jetzt alle auf die „ich schreib dann mal los“ Art und Weise entstanden. Ich bekomme den Dreh zum Plotten nicht so richtig, möchte es aber bei meinem aktuellen Romanprojekt, das zur Zeit wegen anderer Verpflichtungen auf Eis liegt, noch einmal ausprobieren. Wo doch alle Welt so davon schwärmt …

    Allerdings habe ich auch da unvorbereitet losgelegt und hätte das Projekt auch durchgezogen, wenn mir nicht die Überarbeitung eines anderen Romans für den Verlag dazwischen gekommen wäre.

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